Samstag, 9. April 2016

30 kilo und die Disziplin


Seit heute ist es amtlich von der Waage bestätigt, die ersten 30 Kilo ( und warscheinlich 2-3 mehr ) sind weg.
und seit Tagen denke ich über meine "angebliche " Disziplin nach.

Ich denke nicht , das ich ein disziplinierter Mensch bin.
Disziplin ist bei mir ziemlich freudlos und engstirnig besetzt. Scheuklappendenken , auch , vielleicht.

Vielleicht ist Disziplin auch das falsche Wort. Ich würde eher sagen ich bin recht gut motiviert.
Ich bin motiviert täglich zu laufen, und bin motiviert meine Kalorienanzahl nicht aus den Augen zu verlieren. Ich tracke ständig.
Auch Osterhasen. ( 1ganzer . der lag da so herrenlos rum...)
Schokotorten. ( eine halbe. Mit dem Sohn geteilt. Und der "frisst " gerade wie ein Scheunendrescher und reagiert sehr ungehalten bei Mitessen, also eher 0,4 )
Und die 5 Flips von gestern abend.

Essen spricht weiterhin mit mir. Durch Wände, Türen, Dosen,Gläser.
Mittlerweile ist es keine lautstarke Konferenz mehr, aber immerhin ein beständiges Wispern im Wind. Manchmal fällt es mir leicht es zu überhören, manchmal muss ich mich richtig anstrengen es nicht zu hören .
Manchmal möchte ich einfach weiteressen wenn es was leckeres gibt ( einen Osterhasen, zum 2. )
aber ich lerne auch viel über mich und meine Stimmungen. Wenn ich nämlich mittlerweile esse OHNE nachzudenken, fühl ich mich TATSÄCHLICH schlechter, und nicht gut gesättigt.
Dieses spannige Gefühl im Ranzen, das kann ich echt nicht mehr ab. Momentan zumindest nicht. Ob das an Weihnachten noch so ist, weiss ich nicht. Ich kann gerade nur vom Moment reden.
Seit Ostern habe ich mit mir eine Challenge am laufen.
Bis Pfingsten möchte ich es schaffen jeden Tag zu laufen. Bis auf 3 Mal hab ich es tatsächlich geschafft in den letzten 2,5 Wochen Täglich zu laufen.
Und auch hier merke ich : morgends laufen ist für mich besser, als Abends.
Ich gehe enstpannter durch den Tag. Das Laufen schult auch meinen Geist. Die frische Luft tut mir gut, und auch das Schwitzen und die Erkenntnis, das ich wenn ich Bergssteigungen habe ( und hier gibt es einige ) nicht gleich die Flinte ins Korn werfe und einfach weiterlaufe.
Aber ob das schon Disziplin ist ?
Für mich ist es eher so, das ich da gar nicht gross darüber nachdenke.
In meinem Leben gab es ziemlich viele SaureGurkenZeiten.
Als ich mit 2 Baby alleinerziehend war zum Beispiel. Oder mein Sohn der mit 640g auf die Welt kam, mehr als 4 Monate in der Klinik war. Da gibt es keine Option. Immer weitermachen. Nicht zweifeln. Ein und Ausatmen.
So in etwa mache ich das gerade. Ich habe kein bestimmtes Ziel, auf das ich jetzt hinarbeite. Ich werd das schon merken, wenn gut ist. Keine Zahl. Kein Kleidungstück, keine monetäre Größe von irgendwas.
Immer weitermachen. Auch wenn mal ein Schokokuchen vorbeitrudelt.
+

Das einzige was ich weiss ist das ich zur Sucht neige. Wenn ich nicht essen kann, dann mach ich halt was anderes .
Stricken zum Beispiel. Das entspannt mich gerade ungemein, und hilft mir weiterhin meine Gedanken zu ordnen und zu strukturieren.
Auf Instagram hab ich einen wunderbaren Account gefunden, und Pia beschreibt in ihrem ganz schön grossartigem Podcast was für sie Stricken bedeutet :
Stitch for Stitch you knit your love and peace for someone.

So ist das gerade bei mir . Stück für Stück tue ich mir selbst was gutes.





man braucht ein bisschen Zeit, aber es ist sehr sehenswert !


ach ja, beinah vergessen. Der Selbsthass hat aufgehört. Als ich anfing mit diesem ganzen Zeug kam ganz schnell der Tag, wo ich mich in meinem Körper echt beschissen gefühlt habe. Das kannte ich garnicht. Selbst nicht mit 130 Kilo. Das man gedacht, scheiss ich krieg die Hose nicht mehr zu, o.k. das gab es natürlcih schon, aber so explizit das ich vor dem Spiegel gestanden bin und mich durch und durch häßlich und eklig fand, das war sehr neu für mich.
Dieses Gefühl hat wochenlang angehalten. Oft dachte ich , was soll der Scheiss ? Schau mal wie alt du jetzt ausschaust ! das ist doch scheisse ! Dann doch lieber pralles Unterfettgewebe !!!

Und was mich wochenlang begleitet hat, dieses Unwohlsein im Körper, die viele Haut plötzlich und auch die Falten an Hals und plötzlich auch im Gesicht.
Es ist wirklich weg.
Und ich bin trotz Gewichtsabnahme nicht Schneewitchen geworden. Ich denke eher dieses Gefühl gehört dazu, so quasi als Trennungsschmerz.
Und vielleicht hilft mir da auch einfach der Sport, zu erkennen, das mein Körper ganz schön gut ist.
Wie ist das bei Euch ??

Kommentare:

  1. du musst kein Schneewittchen werden, du musst dich wohlfühlen, ich war auch mal der Frühläufer, Genuss gehört zum Leben, du machstdas gut und ich hoffe wir sehn uns im Oktober
    lg
    Monika

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  2. Ich finde deinen Text so toll geschrieben. Es beeindruckt mich, wie genau du hinschaust - auf dich, dein Essverhalten, auf Sucht, auf seelisches Befinden ebenso wie auf körperliches. Nenn es Disziplin oder Motivation - egal... du machst das alles so achtsam und in Respekt vor dir selbst; denn dich selbst nimmst du ja mit auf diese Reise!
    ganz lieben Gruß von Ellen

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  3. Ich ziehe den Hut vor dir. Eine tolle Leistung die ich noch erreichen möchte. Wie hast du es geschafft.. bei mir klappt so gar nichts momentan. Auch das Gefühl... wie sieht mein Körper aus, kenne ich sehr gut.
    In diese Phase stecke ich gerade. Respektvoll mit mir umgehen...ja das hast du gemacht.
    Ganz liebe Grüße
    Anja

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  4. Selbsthass bzw. sich selbst nicht mögen, innerlich & äußerlich ist ja keine Frage des Gewichts. Ich kenne das auch gut, in Phasen, und das Innen und das Außen sind sich dann immer einig...Die Gründe unterschiedlich, auch nicht immer zu erkennen. Bei mir ist ein Faktor, dass diese Phasen weniger werden das Älterwerden.
    Ich finde es so toll, wie du das machst & wie du es hier beschreibst. Ich bin so gespannt, dich "in echt" zu sehen (und ich freu mich!!!!).
    Liebe Grüße
    Sabine

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  5. Vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen und Gefühle. Das ist sehr mutig. "Disziplin" finde ich persönlich nicht so negativ. Denn sie gibt oft den Rahmen für Projekte. Und Projekte sind nie nur Lust und Motivation, sondern haben auch etwas mit Durchhalten zu tun. Und ich finde, dass ich mit Hilfe von Disziplin oft merke, dass ich ein freier Mensch bin. Frei, trotz irgendwelcher Gelüste, ganz gleich, woher sie kommen, meiner eigenen Entscheidung zu folgen.
    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute!
    Liebe Grüße von
    Luise

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  6. Hey Stella,
    das ist eine tolle Leistung. Alleine schon das tägliche Laufen. Mein innerer Schweinehund hintert mich daran, obwohl es für den Körper sicher besser wär, mich mehr zu bewegen.
    Die Autorin des Buches hat auf ihrem Blog dokumentiert, wie sich die überschüssige Haut ohne OP wieder zurück gebildet hat. Ich fand das sehr faszinierend. Insofern wirst du sicher bald feststellen, dass du dich weiter verändert und hoffentlich wieder zufriedener sein.
    Drück dich
    Lotti

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  7. Den Selbsthass, den kenne ich nur zu gut. Aber wie Sabine schon schrieb, den kennen nicht nur die, die mit dem Gewicht kämpfen. Ich dachte, ich bin da die einzige, die diese extreme Form der Unzufriedenheit kennt. Umso schöner zu lesen, dass es dir da inzwischen besser geht. Mir gerade auch. Bis zum nächsten Plateau...

    30 Kilo in der kurzen Zeit ist wirklich eine Menge. ich glaube, der passendere Begriff statt Disziplin ist 'Konsequenz'. Es durchziehen, bei der Stange bleiben. Auch mal undiszipliniert sein aber dann wieder konsequent ins Programm finden...ich bin schon sehr gespannt auf Samstag und freue mich einfach sehr. Kuchen? Mal sehen... ;)

    Fühl dich feste umarmt
    Julia

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  8. Ich finde es total klasse, dass du hier so offen und knall hart schreibst. Gerade auch mal über die Dinge, die halt nicht so einfach sind.
    Ich habe seit dem Jahreswechsel auch das Ziel abzunehmen, habe es in den letzten Jahren immer wieder angefangen und nie durchgehalten. Immer kam der Frust auf der Arbeit oder anderer Stress, der mich doch wieder zu Gummibärchen und Schoki greifen ließ. Langsam haben sich so über Jahre auch 12 Kilo eingeschlichen. Da ich nicht sehr groß bin, sind die bei mir gut sichtbar geworden.
    Aber seit Jahresbeginn übe ich mich auch in Disziplin und habe meine Ernährung verändert- Obst statt Gummizeug - ohne süß kann ich nicht...
    Aber immerhin sind 6 kg weg und ich halte das Gewicht, langsam verschwindet das nächste...
    Ich glaube, egal wie viel man schaffen will, schwer ist es immer! Also, lass uns einfach weiter machen, bis wir uns wohlfühlen und jeden Tag das Flüstern der Dinge im Kühlschrank übertönen ;-)

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  9. Liebe Stella,
    Ich habe vor einiger Zeit einen sehr amüsanten und treffenden Vortrag gehört über Disziplin und Willenskraft. Von Marc Gassert. Ich habe mir das Buch " Alles ist schwer bevor es leicht wird" von ihm gekauft. Denn ganz egal ob es Abnehmen, Bewußt essen (auch für mich), Sport machen, Kochen, Stricken, Nähen, Sparen, Bloggen, Saubermachen, Gartenarbeit, Gehirnjogging, Klavierspielen, oder einfach nur mal die Klappe halten (da meine ich mich!).- Egal was man verändern möchte, weil man sich so besser fühlt, dann ist Willenskraft wie ein Muskel, den man trainieren kann. Gerade das Wissen durchgehalten zu haben, stärkt umso mehr und macht zufriedener. Man merkt es Dir an.
    Ich finde es so schön wie ehrlich Du schreibst, und uns alle teilhaben läßt.
    Liebe Grüße Sonja

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  10. Thank you for sharing, jetzt weiß ich das da außer WW doch noch was geht. Genau wie du habe ich jahrelang mein Geld und meine Zeit dort hingetragen und jedesmal habe ich weniger abgenommen. Ich hatte mir bei meiner letzten Kündigung des Abos geschworen dort nie wieder anzufangen. Es muss doch auch anders gehen. Ich habe heute den ganzen Nachmittag damit verbracht deinen neuen Blog zu lesen und auch in den von Fettlogik habe ich reingeschaut. Ich werde mir natürlich das Buch gönnen und hoffe das es mich auch dazu ermutigt meinen Kilos den Kampf anzusagen. Vielleicht kannst du mir noch einen Tipp geben bzgl. der täglichen Kalorien Ermittlung. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und werde öfter bei dir vorbeischauen.
    Sylvia

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  11. ich bin tief beeindruckt von deiner disziplin... ..chapeau!

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  12. Liebe Stella, Hut ab vor deiner Leistung! Das ist wirklich ganz groß und danke, dass du darüber auch so offen und ehrlich schreibst.

    Liebe Grüße
    Katharina

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