Freitag, 26. Oktober 2012

wie wollen wir leben# antwort


gerade eben bei alex habe ich diesen text hergeholt :  




von alex1
2 Kommentare


Wie wollen wir leben?

Kontext:
Am Montag erschien bei Catherine dieser Text. Mich treibt schon eine Weile ein viel grundlegenderes Unbehagen mit dem Stand der Dinge in diesem unserem Lande. Nicht nur die gegenwärtige Gleichstellungspolitik finde ich irrsinnig, sondern diese Grundausrichtung aller Lebensbereiche auf die Belange des “Marktes” hin. Ich würde gerne mit Euch weiter- und tiefergehend über die Frage nachdenken: Wie wollen wir leben?

“Die Würde des Menschen”, hab ich im Geschichtsunterricht gelesen, “ist unantastbar.” So, sagte der gestrenge Herr Schwalbe, stehe es im Grundgesetz.
Bei nochmaligem Nachsehen stelle ich zu meiner Überraschung fest: Das steht da immer noch drin!
Wie kann es dann sein, daß unsere Kanzlerin (ja, wir haben sie nicht alle gewählt, aber zur Zeit regiert sie noch) von einer “marktkonformen Gesellschaft” spricht und es geht kein Aufschrei mehr durch’s Land? Ist das wirklich das System, in dem wir leben wollen?
Die Würde des Menschen ist unantastbar!
Definiere: Würde. Definiere: Unantastbar.
Wie viel Wert hat des Menschen Würde noch, wenn er Harz IV beantragen muß? Verwirke ich meine Würde, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, für mein wirtschaftliches Wohl selbst hinreichend zu sorgen? Wie viel Wert hat des Menschen Würde noch, wenn Arbeitsrecht und tarifliche Vereinbarungen jederzeit den “ökonomischen Zwängen” geopfert werden können – oder schlicht der Willkür der Geschäftsleitung. Wie viel Wert hat des Menschen Würde noch, wenn uns Testverfahren schon vor seiner Geburt Anlaß geben, dies Leben nicht zuzulassen? Wie viel Wert hat des Menschenwürde noch wenn, ja wenn … jeder finde seine eigenen Beispiele.
Wir sind als Gesellschaft schon eine Weile dabei, im Namen des wirtschaftlichen Wohlergehens und eines abstrusen Konstrukts von Sicherheitsbedenken, die großen bürgerlichen Freiheiten zu opfern, die als Reaktion auf das menschenverachtende Regime der Nationalsozialisten Eingang ins Grundgesetz gefunden hatten. Aber sind die Belange eines nebulösen Marktes wirklich gleichzusetzen mit dem individuellen wirtschaftlichen Wohlergehen? Macht uns die Aufgabe der Privatspäre sicherer?
Wo bleibt der Widerstand angesichts der zunehmenden Beschneidung von Grundrechten und der gleichzeitigen Zuschreibung von mehr und mehr Verpflichtungen an das Individuum? Der Staat darf immer mehr und mehr und muß immer weniger? Große wirtschaftliche Organisationen werden bevorzugt behandelt und stellen gleichsam eine so große Gefahr für das wirtschaftliche Wohlergehen der Nation, ja der Welt dar?
Warum formiert sich kein massiver, anhaltender Widerstand? – Oder tut sich was? (s. Stuttgart 21)
Jede Demokratie ist nur so gut, wie das Engagement einer jeden Bürgers. (Auch wenn Bürger sich nach Schlafrock und Zipfelmütze anhört und nicht nach  Barrikaden stürmende citoyens.) Die Demokratie ist keine milde Morgengabe des Großkapitals ans Volk (auf wenn die gnädige Widmung am Portal des Reichstags was anderes vermuten läßt). Demokratie ist erstritten worden. Und sie bleibt nur funktionsfähig, wenn wir alle mitstreiten darüber, wie wir leben wollen. Wer sich den Notwendigkeiten des Markts beugt, verliert aus den Augen, daß gelingendes Leben für Geld nicht zu kaufen ist.
Wie also wollen wir leben? Jede, jeder von uns: Was sind die Werte, die wir für un-ver-äußerlich halten? Die nicht verkauft werden dürfen?
Das ist zugleich eine gesamtgesellschaftliche und eine zutiefst private Frage. Beantworten muß sie jeder dür sich selbst. Erst dann kann Konsens gefunden und Handlung angeschoben werden.
Um den Faden nur mal an der Stelle aufzunehmen, wo’s mir zur Zeit am Wichtigsten ist:
Je länger ich mit meinem Kind lebe, desto mehr laufe ich innerlich Sturm gegen die sich abzeichnende Abschaffung der Kindheit. Klar weiß ich, daß meine Idealvorstellung davon auch ein kulturelles Konstrukt, nichts irgendwie Natürlich-Richtiges ist. Trotzdem halte ich daran fest, daß die Entwicklung des Kindes zu einem selbstsicheren, selbstbestimmten, selbst denkenden, handelnden, neugierigen, mutigen Menschen Ziel und Zweck der Jahre zwischen 0 und 18 ist. (Okay, weit gefaßter Zeitraum, aber eigentlich hört Selbstausbildung ja auch nie auf.)
Es kann nicht sein, daß der dazu nötige Freiraum, die Zeit und Zuwendung der vollen Erschließung möglichst marktkonformer Arbeitnehmer geopfert wird.
Es kann nicht sein, daß ein 12 Monate altes Kind als eingetaktetes Rädchen im Erwerbsleben seiner Eltern funktionieren muß. Es kann nicht sein, daß Vater und Mutter trotz Mehrbelastung durch Kind und Kinder ihre beruflichen Chancen nur wahren, in dem sie die Kinder in bezahlte Fremdbetreuung abgeben. Es kann nicht sein, daß alleinerziehende Mütter (und Väter) sich zwischen Job und Fürsorge fürs Kind aufreiben und dann bleibt nicht mal genug Geld übrig für zwei Wochen Camping-Urlaub. Es kann nicht sein, daß die Mehrbelastung pflegender Angehöriger reines Privatvergnügen ist.

Es kann nicht sein, daß die Bedingungen unseres Arbeitslebens unser Leben bestimmen und nicht unsere Vorstellungen vom Glück.
Es kann nicht sein, daß Familie und gemeinschaftstiftendes Engagement zu übersehbaren Fußnoten degenerieren.
Die Liste meiner ‘es kann nicht seins’ scheint mir gerade endlos.
Wir brauchen mindestend Dreierlei:
Wir brauchen eine neue Wertigkeit für bürgerschaftliches Engagement. Wir sind der Souverän. Aber nur solange wir uns für uns einsetzen. Wir brauchen mehr lautes Nachdenken, mehr inhaltliche Auseinandersetzung und wir brauchen mehr Einmischung. In den Elternpflegschaften, in den Kommunen, auf landes- und Bundesebene. Ich kenne keine Mutter, die das Kinderkriegen nicht kritischer gemacht hätte. Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, diese Kritik für uns zu behalten oder es bei Worten zu belassen.
Wir brauchen zweitens mehr Menschen, die mutig ihren eigenen Lebensentwurf jemseits der marktorientierten Logik leben, nach der nur wenige die Chance auf große Gestaltungsfreiheit haben. Anders leben, bewußter nach eigenen Werten leben ist möglich. Nur ist es wie’s Kinderkriegen nicht ohne den Abschied von manchen Bequemlichkeiten und Sicherheiten zu haben. Freiheit ist niemals einfach.
Und drittens brauchen wir auf der politischen Ebene einen Klimawechsel. Wir brauchen eine Politik, die das Glück ihrer Bürger in den Mittelpunkt rückt und nicht seine optimale Ausbeutung durch die Wirtschaft.
Wir brauchen eine Auseinandersetzung,d ie auf breiter Front geführt wird: wissenschaftlich, publizistisch, privat.
Und wir brauchen mehr bewußtes Handeln als Resultat daraus. Von oben wird es keiner in unserem Sinne richten. Und es ist nichts als eine systemfestigende Legende, daß Einzelengagement keine Wirkung zeitigt. Jeder, der sein Haus dämmt, seinen Stromverbrauch drosselt und seinen Stromanbieter zu Gunsten von Ökostrom wechselt erhöht den Druck aufs System und damit die Wahrscheinlichkeit von Veränderungen.
Langer Text, was? Durchschnaufen, bitte.

Welche Werte sind für Euch unveräußerlich?

Was macht für Euch gelingendes Leben aus?

Welchen Stellenwert sollte Familie haben?

Wie definiert Ihr Arbeit und welchen Stellenwert hat sie?

Wo seid Ihr Euch der Wirkkraft Eurer Handlungen und Entscheidungen bewußt?

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tja.da liegen sie nun. die abstrakten wörter.
freiheit.
würde.
wert.

jeder sieht sie.geht um sie herum.betrachtet sie.

und geht weiter.

ich bin 39 jahre alt.
diese erfahrung habe ich schon sehr oft gemacht.
geht es ans eingemachte verließen sie die geister.
schauen sie weg.
gehen sie weiter.
tun sie 
nichts.

niemand hilft dir, wenn du mit 2 kleinen kindern bus fährst, der bus vollbesetzt ist.du mit übermüdeten kindern stehen muß, dir deine einkaufstasche umfällt alles herauskullert und das kind
weil es losgelassen wird auch stolpert , weint und schreit. niemand hilft.

würde.

was das heißt können wir nur dann erfassen wenn sie und genommen wird. die abstrakte konstrukt
das keiner sonst so recht begreifen will. 

würdelos ist es wenn du alleinerziehend ohne geld beim sozialamt stehst und kein geld erhälst, weil " der landkreiswechsel noch nicht bürokratisch erfasst worden ist "

würdelos ist wenn du mit 2 kleinen kindern am bankschalter stehst deine rechnungen in der hand,
und der freundliche bankberater der dich seit du 12 bist kennst und er zu dir sagt :
" liebe  Fr. L. ich kann ihre rechnungen nicht überweisen. ich weiß um ihre finanzielle situation, sie sind hochverschuldet und das noch nicht mal selbstverursacht.
aber ich kann ihnen kein geld geben. auch nicht bar."

es war der 5. im monat.


freiheit.

ist jemand frei im sinne von was ? ist freiheit das,  den ort wo man lebt  aussuchen zu können.
also räumliche freiheit ? ich habe 3 kinder. ich habe keine räumliche freiheit. ich bin gebunden
an schule , kiga, sportverein und sonstiges.

freiheit.

bedeutet freiheit seinen job zu wechseln wie es beliebt. ich kann das nicht. ich brauch schlicht und ergreifend das geld. und zwar pünktlich. sonst geht es mir wieder wie vor 13 jahren ( siehe oben )

ist freiheit eine meinungsfreiheit ? im sinne von gefahrlosem reden und lautem denken über dinge aller art ?

wert.

was bedeutet wert ? ein sachwert wie auf dem sozialamt ? oder eines menschenwert wie in meinem beruf ? oder ist es gar mein selbstwert ? der mir manchmal das leben schwermacht ?


unzählige dinge ggehen mir bei alex text durch den kopf. 

welche werte sind mir unveräußerlich ?
natürlich meine eigenen. das ist ja klar ! welche werte sollte auch die " gesellschaft " haben, die sich nur zu offensichtlich nur mit materiellen werten beschäftigt ? da bleiben gedankliche werte abstrus und sehr fern und unbegreifbar.

sind werte auch rechte ? wer ist mehr wert. der der arbeitet oder der der denkt ? 
ist der der arbeitet mehr wert , wie ein mensch der nicht arbeiten kann weil er " behindert " ist ?
peter singer , ein australischer ethikprofessor ( der in meiner ausbildung sehr stark disskutiert worden ist ) ist der meinung nur ein mensch der der gesellschaft,  und ihren regeln zuträglich ist ist etwas wert.
menschen die demnach der gesellschaft schaden weil sie nichts dazu beitragen können sind "lebensunwert ", und dürfen demnach im konsens der gesellschaft " entsorgt " werden . ( behinderte kinder z.b. dürfen abgetrieben werden weil sie dem glück der gesellschaft im weg sind.sie tragen nichts bei zum glück anderer und kosten nur geld. )



wert.
freiheit.
würde.

schwierige wörter in einer gesellschaft die gewinnoptimiert ist.
konsum ist für mich eines der übel der zeit. jeder will alles und das immer.konsum ist für mich das ausgetauschte wort zu glück. nur wer konsumiert ist glücklich. und dazu brauchen wir geld.
und die 3 . welt. denn unser konsum unsere gewinnoptimierung funktioniert nur weil andere darunter
leiden. würde es diesen menschen nicht so schlecht gehen, würde es uns nicht so gut gehen.....

bürgerrechte. wer bürgerrechte in anspruch nimmt der hat auch pflichten.bürger zu sein ist in meinen augen auch eine pflicht. 
eine pflicht den mund aufzumachen, wenn einem ( und nicht nur mir ) ein unrecht geschieht.
die pflicht farbe zu bekennen, seine meinung zu äußern, die dinge aktiv zu benennen und nicht nur dummdröslig vor dem fernseher zu sitzen und nur seine schäfchen im trockenen zu halten.

aktuell sehe ich diese haltung in meinen kindern. 
sie sind 15 und 14 jahre alt. sie gehen in die schule, sie nehmen aktiv an der gesellschaft teil.

wollten sie vor 2 jahren  " wenn ich groß bin dann heirate ich, und mein mann geht arbeiten "
ist mittlerweile ein prüfungsthema zur emanzipation geworden.

dies wurde abgelehnt. es sei " nicht mehr zeitgemäß über emanzipation zu referieren ".

ich habe versuch in meiner erziehung ( und versuche es immernoch ) meinen kindern eine grundessenz dieser wörter mitzugeben.

freiheit.
würde.
werte.

wachsam bleiben. und maul aufmachen. immer und jederzeit.
soviel geht flöten im alltag zwischen kindern, arbeit und terminen.
soviel dinge geschehen täglich.
und läßt sich gerne ablenken von den wichtigen themen.nehmt es nicht hin.


" der mensch wird am du zum ich ".

martin buber sagte dies vor fast einem jahrhundert. er hat so recht.
täglich und immer.nur wenn wir bereit sind zu einem dialog können wir unsere rechte, pflichten und wünsche sichtbar machen.
und das gilt auf allen ebenen.



# edit.
meine gedanken zu diesem thema sind ja nun eher auf der " metaebene ".
und sie decken längst nicht alle fragen die alex stellt ab.
aber wenn sich jeder einzelne über diese themen gedanken macht.
verändert er sich schon.sich und seine umwelt.und sein verhalten in der gesellschaft.
und dort fängt ja auch immer eine große veränderung an.
weil mein verhalten färbt auf andere ab.
und so soll es ja auch sein.

Kommentare:

  1. Leider sind die Begriffe wie Recht auf Würde wünsche des Menschen.Naturgesetze sind sie nicht.
    Deshalb lebt der Mensch abseits aller Naturgesetze weil sie keine Würde bieten sondern
    Konkurrenzkampf bedeuten.Deshalb will der Mensch Konkurrenzkampf abschaffen also die Naturgesetze ignorieren.Die Natur wird leider den Würdewunsch in ihr Entwicklungsprogramm nicht aufnehmen.

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  2. ich finde, du hast das sehr gut geschrieben. alex auch.
    danke dafür.
    (ich bin leider grade in meinem eigenen hamsterrädchen viel zu gefangen, um kraft für ausführliche gedanken zu haben und diese aufs papier bringen zu können.)

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