Dienstag, 29. September 2009

abendliches resümee

ich arbeite seit 17 jahren in der psychatrie.
natürlich mit unterbrechungen durch die kinder, aber eigentlich fast durchgehend.....

ich arbeite in einem bereich in dem menschen wohnen und leben die
nirgends mehr platz finden.
sie sind zu aggressiv, zu unsozialisiert, ohne halt.

es ist sehr anstrengend, vorallem wenn man nebenher familienleben hat.

viele, sehr viele brennen aus.

als ich begann mit dieser arbeit.
war das es ein recht neuer sektor in der psychatrie, zumindest in deutschland.
ausgezeichnet hat ihn der hohe personalschlüssel durch starkes pädagogisches
und widerstandfsähiges personal, mit einem betreunungsrahmen von 2 fachkräften auf ungefähr
5 bewohnern.

das ist eine ausgezeichnete rate.
sie läßt personal und patient optimale bedingungen in der begegnung
und förderung, und des standhaltens in emotionalen extremsituationen.


heute ist der personalschlüssel 2 zu 13 patienten.

das ist miserabel.

es führt zu burnout, zu illusionslosigkeit und stillstehens und stillhaltens
auf beiden seiten .

die dokumentation der therapien und der verwaltungsapparat
führen oft zu einem stellenschlüssel von

1 zu 13.

aber an manchen tagen, an tagen wie diesen
in dem ein schlüssel
von 1 zu 1 möglich ist,

und diese tage werden rar...

weiß ich wieder warum ich diesen beruf gewählt habe.

zu oft vergaß ich dies in letzter zeit....

was wirklich zählt

aufeinander zu
ineinander hinein
und gemeinsam heraus
zu gehen

in die welt
die nur wir gestalten können.
mit achtsamkeit und hinsehen und hinhören.

und bereit sein in jeder begegnung
wahrhaftig zu sein.

Kommentare:

  1. Ich weiss gar nicht so recht, was ich sagen soll, habe deine Worte mit Betroffenheit gelesen, bin selber aber so wortkarg im Moment. Ich möchte dich einfach wissen lassen, dass ich grosse Achtung habe vor Menschen wie dir, welche diese Hinwendung zu Menschen auf der Schattenseite wagen und leben.
    Hoffentlich schlissen diese "Schlüssel" nicht mehr Türen zu als dass sie welche öffnen.
    Lieben Gruss
    Gabriela

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  2. Schlüssel sollten dazu da sein, Türen zu öffnen. Doch der wichtigste Schlüssel ist der zur eignenen Wahrhaftigkeit - und die verlangt, auch für sich selber gut zu sorgen.
    Daher pass auf Dich auf, dass nicht irgendein Schlüssel deine eigenen Türen versperrt.
    Liebe Grüße
    Herr M

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  3. Du hast eine wahnsinnige Kraft um die ich Dich bewundere und glaub mir, ich weiss wovon ich rede, da ich es auch jeden Tag habe. Es gibt schwere Zeiten und es gibt gute Tage, an dem man das was man tut 100 % zurueck bekommt. Aber ich weiss, wie anstrengend es ist, immer und jeden Tag diese Kraft aufzubringen. Du bekommst wirklich meine volle Bewunderung und ich schicke Dir noch einen ganz dollen Kraftknuddler, das Du Menschen, die nicht wie Du und ich sind, hilfst.

    Liebe Gruesse
    Yvette

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  4. ...was so ein "Schlüssel" bedeutet, erlebe ich leider auch jeden Tag im Kindergarten. Dadurch hatten wir in der letzten Woche eine Situation, die ich hier nicht näher erläutern muss. Fazit ist...man könnte viel mehr bewegen, leider ist es aus permanentem Zeitmangel nicht möglich. Da muss man schon gut auf sich selbst aufpassen, da die Balance zu halten! Ich jedenfalls ziehe den Hut vor dir!
    LG
    Beate

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  5. Ein schöner Text... eine so wertvolle Arbeit. Ich wünsche Dir viel Kraft für deine Arbeit!
    LG
    Claudine

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  6. Diese Tage,an denen man von unseren Bewohnern die Bestätigung bekommt warum wir diesen Beruf gewählt haben sind sicher rar geworden.
    Jedoch glaube ich das diese Menschen genau solche wie uns brauchen die gerne in den Dienst gehen und es nicht als Belastung sehen.Wenn es Belastung wird ist es meist schon zu spät.

    Ich arbeite in einem psychosozialen Betreuungszentrum in Österreich und gehe gerne in den Dienst.



    lg Riki

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  7. Liebe Stella,
    du hast die richtigen Worte gefunden, ich weiß leider genau, wie sich das anfühlt. Und finde dich so "richtig" an diesem Ort. Pass gut auf dich auf.
    Liebe Grüße
    Sabine

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